:terra nova

KRAFTRAUM

Zukunftsrevier

Die drei Städte Bergheim, Bedburg und Elsdorf haben sich als einer der ersten interkommunalen Planungsverbünde des Rheinischen Reviers im Rahmen des REGIONALE 2010 Projektes :terra nova frühzeitig auf den Weg gemacht, ihren gemeinsamen Raum zukunftsfähig zu gestalten. Vor dem Hintergrund der schon damals absehbaren Strukturveränderungen im Rheinischen Revier wurden in enger Kooperation mit dem Rhein-Erft-Kreis, dem Unternehmen RWE Power und weiteren regionalen Schlüsselakteuren eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart. Dabei wurde gemeinsam ein erster interkommunaler Masterplan :terra nova mit beispielhaften Modellprojekten als Basis einer inhaltlich-räumlichen Gesamtstrategie erarbeitet. Dieser erfolgreiche Prozess war Vorbild und Impuls für den Einstieg in die Entwicklung einer Innovationsregion Rheinisches Revier und deren Weiterentwicklung zum Rheinischen Zukunftsrevier.

Anfang 2019 hat mit der Empfehlung der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ zum energie- und klimapolitisch begründeten Kohleausstieg der Strukturwandelprozess zusätzlich an Dynamik gewonnen. Dabei ist der unmittelbar am Tagebau Hambach liegende KRAFTRAUM :terra nova inklusive des großen Kraftwerksstandortes Niederaußem und einer Vielzahl direkt und indirekt damit im Zusammenhang stehender Unternehmen und Arbeitsplätze in besonderer Weise betroffen. Umso wichtiger sind gemeinsam abgestimmte, übergeordnete Konzepte und Strategien sowie geeignete Einstiegs- und Modellprojekte für eine zukunftsfähige Neuausrichtung des :terra nova-Raumes.

Vor diesem Hintergrund haben die drei Städte Bergheim, Bedburg und Elsdorf in enger Kooperation mit dem Unternehmen RWE Power und weiteren regionalen Schlüsselakteuren das vorliegende strategische Konzept KRAFTRAUM :terra nova erarbeitet. Ziel ist es dabei, bereits in den nächsten Jahren einen innovativen Modell- und Referenzraum für das Rheinische Zukunftsrevier zu profilieren, in dem zukunftsfähige Projektansätze synergetisch zusammenwirken können und auf beispielhafte Weise die relevanten Fragestellungen des anstehenden Strukturwandels beantworten.

Als zentrales Einstiegs- und Impulsprojekt für die Entwicklung eines zukunftsfähigen KRAFTRAUMS :terra nova, ist im Zentrum des Rheinischen Zukunftsreviers die Errichtung einer Klimahülle geplant. In dem energieoptimierten und architektonisch ansprechenden Baukörper werden innovative Unternehmen, wissenschaftliche Institutionen, Start-Ups und zentrale Einrichtungen wie das Management der Internationalen Bau- und Technologieausstellung/ Zukunftsagentur Rheinisches Revier unter einem Dach zusammenkommen. Von hier aus können wichtige Impulse für alle relevanten Themenbereiche und Kompetenzfelder eines KRAFTRAUMS :terra nova und das Rheinische Zukunftsrevier insgesamt ausgehen. Hinzu kommt eine Reihe weiterer innovativer Impulsprojekte und -standorte innerhalb des KRAFTRAUMS, auf die sich die drei Städte Bergheim, Bedburg und Elsdorf gemeinsam verständigt haben.

Die Entwicklung des KRAFTRAUMS :terra nova hin zum (über)regionalen Modellraum kann auf bestehende Kompetenzen und eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit aller relevanten Schlüsselakteure zurückgreifen. Gleichzeitig bedarf es erheblicher finanzieller, organisatorischer und personeller Ressourcen – nicht nur für Strategien, Management und Kommunikation – sondern insbesondere für den Aufbau einer leistungs- und zukunftsfähigen baulich-räumlichen Infrastruktur als Basis für die Umsetzung des Geplanten in Form von Projekten und notwendigen Investitionen. Das vorliegende strategische Konzept macht deutlich, dass die Weichen hierfür im KRAFTRAUM :terra nova bereits gestellt sind.

:ausgangslage

Der KRAFTRAUM umfasst die Gebiete der drei Städte Bedburg, Bergheim und Elsdorf, und ist besonderer Weise von den anstehenden Strukturwandelprozessen betroffen.

Allein mit Blick auf die RWE-Mitarbeiterzahlen der Städte (insgesamt: 2235 Mitarbeiter, davon Bergheim: 959 Beschäftigte, Bedburg: 904 Beschäftigte, Elsdorf: 372 Beschäftigte) ergibt sich eine hohe volkswirtschaftliche Abhängigkeit. Ebenso müssen die vor- und nachgelagerten Bereiche, die mit den Arbeitsplätzen im Sektor der Braunkohle im Zusammenhang stehen, berücksichtigt werden. Hierfür hat das EEFA – Energy Environment Forecast Analysis GmbH & Co. KG 2010 in einer Untersuchung für die RWE Power AG einen Beschäftigungs- und Investitionseffekt von 2,11 Arbeitsplätze pro Arbeitsplatz eines RWE Power AG Mitarbeiters ermittelt (vgl. EEFA – GmbH & Co. KG 2010: Bedeutung der rheinischen Braunkohle – sektorale und regionale Beschäftigungs- und Produktionseffekte. Münster: S. 68). Ausgehend von dem in der Untersuchung genannten Faktor lassen sich insgesamt 6950 Arbeitsplätze, die vom Braunkohleausstieg betroffen sind, berechnen (davon Bergheim: 2982 Beschäftigte, Bedburg: 2811 Beschäftigte, Elsdorf: 1157 Beschäftige). Durch diese Aufstellung wird deutlich, wie eng die heutige Wirtschaftsstruktur mit der Braunkohleindustrie und den damit direkt und indirekt im Zusammenhang stehenden Arbeitsplätzen verflochten ist.

Zusammen haben diese Städte aus dem Rhein-Erft-Kreis eine Gesamtfläche von 243 km2 und 112.000 Einwohner. Der Rhein-Erft-Kreis umschließt fast zur Gänze das linksrheinische Köln und ist geprägt sowohl von der landwirtschaftlichen Nutzung als auch von Industrieanlagen sowie Rohstoffgewinnung und der Energiewirtschaft.
Alle drei Städte sind gut an das überregionale Verkehrssystem angebunden. Die Rheinmetropolen Köln und Düsseldorf sowie die Oberzentren Mönchengladbach und Aachen sind vom KRAFTRAUM :terra nova aus alle innerhalb von 30 bis 45 Minuten mit dem Auto zu erreichen. Maßgeblich hierfür sind die Bundesautobahn (BAB) A 61 in Nord-Süd-Richtung und die Bundesautobahn A 4 in Ost-West-Richtung. Ebenso ist die Schieneninfrastruktur in Bergheim und Bedburg bereits gut ausgebaut. So ist die Kreisstadt Bergheim schon heute vom Kölner Hauptbahnhof innerhalb von 30 Minuten erreichbar. Ein weiterer Ausbau der S-Bahn (S12) ist geplant.

Die Kreisstadt Bergheim zählt über 65.000 Einwohner. Als attraktives und lebendiges Mittelzentrum bietet Bergheim gute Arbeitsplätze, ansprechende Einkaufsmöglichkeiten und eine hohe Wohn- und Freizeitqualität. Die wichtigsten Institutionen haben hier ihren Sitz, sodass ein Behörden- und Dienstleistungszentrum von überregionaler Bedeutung entstanden ist. Die Kreisstadt Bergheim hat sich mit der Erarbeitung und der breiten Öffentlichkeitsbeteiligung im Zuge der Entwicklung eines Stadtentwicklungskonzepts (STEK 2035) sowie weitere Integrierte Stadtentwicklungskonzepte (INSEK Innenstadt, INSEK Quadrath-Ichendorf) auf den Weg gemacht, neue Strategien zu entwerfen und Impulse zu setzen.

Als Mittelzentrum hat die Stadt Bedburg ca. 25.000 Einwohner und ist geprägt durch den Braunkohleabbau und den Strukturwandel. So ist das Landschaftsbild Bedburgs von der Rekultivierung ehemaliger Tagebauflächen geprägt, letztendlich sind attraktive Naherholungsgebiete und ein ausgebautes Wegenetz entwickelt worden. Ein Schwerpunkt der örtlichen Stadtentwicklung ist die städtebauliche und funktionale Aufwertung der Bedburger Innenstadt. Durch diese Schwerpunkte und durch die Erarbeitung einer städtebaulichen Perspektive wird sich dem Umbau und der Neugestaltung der Bestandgebäudes in der Bedburger Innenstadt angenommen.

Die Stadt Elsdorf weist ca. 22.300 Einwohner auf, grenzt an den Tagebau Hambach und besteht aus elf Stadtteilen. Die städtebauliche Entwicklung Elsdorfs konzentriert sich auf die Wohnsiedlungsbereiche Elsdorf, Berrendorf und Heppendorf, dabei liegt ein gebündeltes Angebot an öffentlichen und privaten Einrichtungen der Versorgung, der Bildung und Kultur, der sozialen und medizinischen Betreuung und der Freizeitgestaltung vor. Elsdorf erarbeitet zurzeit ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept(ISEK), Mobilitätskonzept, Freiraum- & Tourismuskonzept und einen Masterplan für die Tagebaukante. Hierbei zeigt die Stadt neue Impulse und Ziele für den Strukturwandel sowie für die Arbeits- und Wohnentwicklung auf.

Sascha Solbach

Bürgermeister der Stadt Bedburg
Volker Mießeler

Bürgermeister der Kreistadt Bergheim
Andreas Heller

Bürgermeister der Stadt Elsdorf